Warum BPM-Projekte 18 Monate dauern — und woran das wirklich liegt
Anderthalb Jahre bis zum ersten greifbaren Ergebnis — das ist keine Ausnahme, das ist der Normalfall bei klassischen BPM-Projekten. Und das Frustrierende daran: Es ist kein Unfall. Die lange Laufzeit ist kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgegangen ist, sondern das vorhersehbare Resultat eines Vorgehens, das von Grund auf langsam angelegt ist.
Wenn man die typischen Projekte auseinandernimmt, tauchen immer dieselben fünf Muster auf. Keines davon ist böser Wille. Aber zusammen ergeben sie ein System, das fast zwangsläufig in Monate kippt, statt in Wochen zu liefern.
1. Der Scope wächst, bevor irgendetwas startet
Am Anfang weiß niemand genau, was eigentlich gebraucht wird. Also holt man sicherheitshalber alle ins Boot — jede Abteilung, jede Sonderlocke, jeden Spezialfall. Bevor der erste Ablauf modelliert ist, ist das Projekt schon doppelt so groß wie geplant. Dieser stille Aufblähprozess frisst Wochen, in denen noch kein einziger Prozess festgehalten wurde.
2. Die Modellierungsphase nimmt kein Ende
Termine kollidieren, Stakeholder sind sich uneinig, jedes Diagramm geht in die dritte Korrekturschleife. Multipliziert man das mit der Zahl der Prozesse, die ein Unternehmen hat, wird aus einer überschaubaren Aufgabe ein Marathon. Mehr zum Hintergrund findest du im Glossar unter Prozessdokumentation und BPMN.
3. Change Management taucht in keinem Plan auf
Ein Diagramm zu zeichnen ist das eine. Dass die Leute auch danach arbeiten, ist das andere. Verhaltensänderung braucht Schulungen, Kommunikation, Wiederholung — und genau dieser Teil steht selten im Projektplan. Die bittere Pointe:
Eine Doku, die das Verhalten nicht ändert, ist innerhalb von zwölf Monaten veraltet. Dann beginnt das Spiel von vorn.
4. Die Beratungsuhr tickt gegen dich
Viele BPM-Projekte laufen über externe Beratung, abgerechnet nach Tagessatz. Damit korreliert die Projektlaufzeit direkt mit dem Umsatz des Dienstleisters. Niemand muss böswillig sein, damit dieser Anreiz wirkt — Tempo ist einfach kein Ziel, das sich für den Anbieter rechnet.
5. Die Integration wird auf „Phase 2” verschoben
Die Anbindung an die operativen Systeme — also der Teil, der den ganzen Aufwand überhaupt nützlich macht — wird als „Phase 2” eingeplant. Und Phase 2 kommt oft nie. Das fertige BPM-Tool läuft am Ende separat neben den echten Systemen her, statt in ihnen aufzugehen. Ein teures Diagramm, das niemand öffnet.
Es geht auch anders herum
Die fünf Muster haben eine gemeinsame Wurzel: Der ganze Aufwand fließt in Dokumentation für Menschen — Diagramme, die jemand lesen, freigeben und pflegen soll. Genau das macht die Abstimmung so zäh.
Dreht man den Startpunkt um, fällt die Hälfte der Verzögerung weg. Statt monatelang Wissen einzusammeln und auszumodellieren, hältst du erst einmal schlank fest, wie es wirklich läuft — in eigenen Worten, im Team gegengelesen, an einem Ort. Aus 18 Monaten Abstimmung werden ein paar Wochen, weil der teuerste Schritt — alle auf ein perfektes Diagramm zu einigen — schlicht entfällt.
Genau dafür ist ProcessCollector gebaut: ein lebendiges Prozess-Gedächtnis, das du selbst aufsetzt — ohne Modellierungs-Schule, ohne Beraterheer und ohne die eingebaute Bremse klassischer BPM-Tools.
Fazit
Dass BPM-Projekte 18 Monate dauern, liegt nicht an deinem Unternehmen und nicht an deinem Team. Es liegt an einem Vorgehen, das Langsamkeit eingebaut hat. Wer beim Aufnehmen schlank startet und das Wissen an einen Ort holt, statt es monatelang auszumodellieren, kommt in Wochen ans Ziel — und behält das Wissen danach selbst in der Hand.
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