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Marktüberblick 2026

Prozessmanagement-Software im Vergleich.

Fünfzehn Anbieter für Prozessdokumentation und Prozessmanagement im deutschsprachigen Markt — sortiert nach Systemtyp, verglichen nach Zielgruppe, Preis, Testzugang und Hosting. Dazu die Fragen, die vor der Toolauswahl kommen: was ISO 9001 an Dokumentation tatsächlich verlangt, was ein solches Vorhaben realistisch kostet und wie lange eine Einführung dauert.

Stand:

Fünf Systemtypen, die alle „Prozessmanagement-Software" heißen

Der Markt wirft sehr verschiedene Werkzeuge in eine Kategorie. Wer den Typ falsch wählt, bewertet danach die falschen Funktionen — das ist der häufigste Fehler vor der ersten Demo.

Zeichenwerkzeuge

Erzeugen Diagramme als Einzeldateien. Stark in der Darstellung, ohne gemeinsamen Datenbestand. Was gezeichnet ist, altert ab dem Speichern.

Visio, ADONIS Community

Doku- und QM-Spezialisten

Halten Prozesse und Nachweise in einem gemeinsamen Bestand, ausgelegt auf Pflege und Auffindbarkeit. Der übliche Zuschnitt für den Mittelstand.

orgavision, Q.wiki, roXtra, ProcessCollector

BPM-Suiten

Tiefe Modellierung nach Notation, dazu Governance, Risiko und Analyse. Mächtig und entsprechend erklärungsbedürftig — gedacht für Prozessfachleute.

Aeneis, BIC, Signavio

Process Mining

Rekonstruiert Abläufe aus Systemdaten statt aus Beschreibungen. Zeigt, wie Prozesse laufen — setzt aber Systeme voraus, die sauber protokollieren.

Celonis

Workflow-Engines

Führen Prozesse technisch aus, statt sie zu beschreiben. Werden von Entwicklungsteams betrieben, nicht vom Qualitätsmanagement.

Camunda

Was ISO 9001 wirklich verlangt — und was nicht

Der häufigste Anlass für die Anschaffung ist ein Audit. Umso wichtiger, die Anforderung genau zu kennen.

Ein QM-Handbuch ist seit der Revision 2015 nicht mehr vorgeschrieben. Die Norm spricht stattdessen von „dokumentierter Information" und verlangt in Abschnitt 7.5 vor allem, dass diese Information gekennzeichnet, in einem geeigneten Format vorhanden, geprüft, freigegeben und gelenkt ist. Wer noch ein Handbuch pflegt, tut das aus eigenem Entschluss — nicht, weil die Norm es fordert.

Genauso wenig schreibt die Norm ein bestimmtes Werkzeug oder eine bestimmte Notation vor. Ein Firmen-Wiki, eine SharePoint-Seite oder ein Prozessmanagement-Tool erfüllen die Anforderung gleichermaßen, solange Lenkung und Nachvollziehbarkeit sichergestellt sind. BPMN ist für ISO 9001 nicht erforderlich.

Praktisch heißt das: Die Frage im Audit lautet nicht „habt ihr das richtige System gekauft", sondern „findet ihr das gültige Dokument, ist erkennbar wer es freigegeben hat, und arbeitet ihr tatsächlich so". Ein Werkzeug hilft dabei, wenn es Aktualität sichtbar macht — nicht, wenn es möglichst viele Funktionen hat.

Grundlage: DIN EN ISO 9001:2015, Abschnitt 7.5 „Dokumentierte Information".

Auswahl nach Anlass

Software kauft niemand grundlos. Diese sieben Auslöser decken den Großteil der Fälle ab — und führen zu unterschiedlichen Werkzeugen.

  • Ein Audit steht an, die Dokumentation ist veraltetorgavision · Q.wiki · roXtra · ConSense · ProcessCollectorEs zählt Lenkung und Nachweisbarkeit, nicht Modellierungstiefe.
  • Wissen hängt an Personen, die das Haus verlassenProcessCollector · Q.wiki · ConfluenceEntscheidend ist, wie leicht jemand ohne Schulung etwas festhalten kann.
  • Onboarding dauert zu lang und bindet zu viele LeuteProcessCollector · Q.wiki · Process StreetGefragt sind auffindbare Abläufe und abhakbare Schritte, keine Modelle.
  • Altdokumente sollen endlich strukturiert werdenProcessCollectorNur wenige Werkzeuge überführen bestehende Anweisungen automatisch in ein Modell.
  • Prozesse, Risiken und Compliance gehören zusammenAeneis · ConSense · BICEin gemeinsames Modell erspart die Doppelpflege über Normen hinweg.
  • Abläufe sollen technisch automatisiert werdenCamunda · Signavio · BICHier braucht es Ausführung, nicht Beschreibung — ein anderer Werkzeugtyp.
  • Ihr wollt messen, wie Prozesse tatsächlich laufenCelonisSetzt Systeme voraus, die den Ablauf sauber protokollieren.

Die 15 Anbieter im Überblick

Preis-, Test- und Hosting-Angaben stammen ausschließlich von den Anbieterseiten selbst, geprüft am . Innerhalb der Gruppen alphabetisch sortiert. Alle Preise netto, zzgl. USt.

AnbieterSchwerpunktFür wenBPMN nötigPreisTestHosting
Prozessdokumentation und QM für den Mittelstand
ConSenseIntegriertes ManagementsystemMittelstand bis Konzernoptionalauf Anfrageauf AnfrageDeutschland
Intellior AeneisBPM und GRC in einem ModellGehobener Mittelstandjaauf Anfrage30 TageDeutschland
Modell Aachen Q.wikiInteraktives ManagementsystemMittelstandoptionalauf Anfrage60 TageDeutschland
orgavisionQM- und ProzessmanagementMittelstandoptionalauf Anfrageja, Self-ServiceDeutschland
ProcessCollectorLebendiges Prozessmanagement, KI-gestütztMittelstand, 25–500neinab 7,95 € / Nutzer / Monat14 Tage, ohne KarteEU, ISO 27001
qmBaseModulares QM-SystemKleine Betriebe bis Mittelstandneinab 79 € / Monat14 Tageauf Anfrage
roXtraDokumentenlenkung und QMMittelstand, regulierte Branchenoptionalauf Anfrageauf AnfrageDeutschland, auch On-Premises
BPM-Suiten für größere Vorhaben
BOC ADONISBPMN-Modellierung, SimulationMittelstand bis KonzernjaCommunity Edition kostenlosja, dauerhaft kostenlosje nach Edition
GBTEC BIC Process DesignBPM-Plattform, modularMittelstand bis Konzernjaauf Anfrageja, Self-ServiceDeutschland möglich
SAP SignavioModellierung und ProzessanalyseKonzernjaauf Anfragenicht veröffentlichtje nach Vertrag
Werkzeuge, die häufig dafür benutzt werden
ConfluenceAllgemeines WikiTeams jeder Größeneinfrei bis 10 Nutzerja, Free-Tarifje nach Tarif
Microsoft VisioDiagramme zeichnenEinzelne Erstelleroptionalab 4,30 € / Nutzer / Monat30 TageMicrosoft-Cloud
Process StreetChecklisten und SOPsTeams mit Routineabläufenneinauf Anfrage14 TageUSA
Angrenzend — löst ein anderes Problem
CamundaProzess-Orchestrierung (Engine)EntwicklungsteamsjaveröffentlichtjaCloud oder selbst betrieben
CelonisProcess MiningKonzernneinauf Anfrageauf Anfrageje nach Vertrag

Die Anbieter im Einzelnen

Prozessdokumentation und QM für den Mittelstand

Aachener Anbieter mit Schwerpunkt auf integrierten Managementsystemen: Qualität, Umwelt, Arbeitssicherheit und Informationssicherheit lassen sich in einem System führen, statt für jede Norm ein eigenes Werkzeug zu betreiben.

Das ist die Stärke und zugleich die Frage, die ihr euch stellen solltet: Wer nur ein Normthema abdecken will, zahlt Breite mit, die er nicht braucht. Wer drei oder vier Normen führt, spart sich dagegen die Doppelpflege.

Passt, wenn
Ihr führt mehrere Normen und wollt sie in einem System halten.
Passt nicht, wenn
Es geht euch nur um Prozessdokumentation ohne Normbezug.

Intellior Aeneis

Anbieterseite

Die Stuttgarter Suite verbindet Prozessmanagement mit Governance, Risiko und Compliance in einem gemeinsamen Modell. Wer einen Prozess ändert, sieht die daran hängenden Risiken und Nachweispflichten unmittelbar mit — für regulierte Branchen ist das der entscheidende Unterschied zu einem reinen Dokumentationswerkzeug.

Der Preis dafür ist Tiefe: Aeneis ist auf Prozessfachleute ausgelegt, nicht auf Gelegenheitsnutzer aus der Fachabteilung. Eine Einführung ohne Schulung und Begleitung ist realistisch nicht vorgesehen.

Passt, wenn
Prozesse, Risiken und Compliance-Nachweise sollen in einem Modell zusammenhängen.
Passt nicht, wenn
Die Fachbereiche sollen ohne Schulung selbst schreiben.

Modell Aachen Q.wiki

Anbieterseite

Q.wiki dreht die klassische QM-Logik um: Statt dass eine zentrale Stelle Dokumente pflegt und freigibt, schreiben die Fachbereiche im Wiki selbst — mit Freigabe-Workflow dahinter. Nach Anbieterangaben nutzen das über 1.600 Unternehmen.

Das funktioniert dort gut, wo genug Menschen bereit sind mitzuschreiben. Wo die Pflege am Ende doch an zwei Personen hängt, verliert das Modell seinen Vorteil gegenüber einem klassischen System.

Die 60 Tage Testzeit sind der längste Testzugang in diesem Vergleich — mehr als genug, um das Mitschreib-Prinzip in einer echten Abteilung auszuprobieren, statt es nur zu bewerten.

Passt, wenn
Ihr wollt ein QM-Handbuch, das die Fachbereiche selbst pflegen.
Passt nicht, wenn
Die Pflege wird realistisch bei ein bis zwei Personen bleiben.

Berliner Anbieter, der Qualitäts- und Prozessmanagement in einem System führt und im normgetriebenen Umfeld stark ist — Revisionssicherheit, Lenkung von Dokumenten und Nachweisführung sind hier keine Zusatzmodule, sondern der Kern.

Für viele Mittelständler ist orgavision der pragmatische Mittelweg zwischen einem reinen Doku-Werkzeug und einer BPM-Suite. Ein Testzugang ist ohne Vertriebsgespräch möglich, ein Preis wird vorab nicht genannt.

Passt, wenn
QM-System und Prozessdokumentation sollen in einem Werkzeug liegen.
Passt nicht, wenn
Ihr wollt vor dem ersten Gespräch budgetieren können.

ProcessCollector

Anbieterseite

Der Einstieg läuft über Sprache statt über ein Modellierungswerkzeug: Du schreibst auf, wie ein Ablauf funktioniert, und die KI schlägt Schritte, Rollen und Ressourcen vor — angelegt wird erst nach deiner Bestätigung. Alternativ bringst du eine bestehende Arbeitsanweisung als PDF oder Word-Datei ein und lässt sie in ein Prozessmodell überführen.

Das ist bewusst der pragmatische Weg: kein BPMN-Zwang, keine Schulung als Voraussetzung, und ein Testzugang, den man ohne Kreditkarte und ohne Vertriebstermin bekommt. Dafür fehlen die Dinge, die eine BPM-Suite ausmachen — Simulation, formale Modellierungsstrenge, ein Dokumentenmanagement-System.

Sinnvoll ist ProcessCollector dort, wo dokumentiert werden muss, aber niemand ein Projekt dafür aufsetzen will: vor einem Audit, beim Onboarding, oder wenn Wissen an einzelnen Personen hängt, die das Haus verlassen.

Passt, wenn
Ihr müsst dokumentieren, wollt aber kein Einführungsprojekt.
Passt nicht, wenn
Ihr braucht Simulation, BPMN-Tiefe oder ein DMS.

qmBase ist einer der wenigen Anbieter im deutschen QM-Markt mit veröffentlichtem Preis — der Einstieg liegt bei 79 € im Monat, für Start-ups, Bildungseinrichtungen und Non-Profits bei 49 €. Abgerechnet wird nicht pro Nutzer, sondern nach aktiven Nutzern in einer festen Monatspauschale.

Der Zuschnitt ist modular: Auditmanagement, Dokumentenlenkung, CRM und weitere Apps lassen sich einzeln dazunehmen. Für kleine Betriebe, denen eine ausgewachsene QM-Suite zu groß ist, ist das der niedrigschwelligste Einstieg in diesem Vergleich.

Passt, wenn
Kleiner Betrieb, klares Budget, QM-Grundfunktionen genügen.
Passt nicht, wenn
Ihr braucht tiefe Prozessmodellierung.

roXtra kommt von der Dokumentenlenkung her: Versionierung, Freigabeläufe, Lesebestätigungen und revisionssichere Ablage sind der Kern, Prozessdarstellung baut darauf auf. In stark regulierten Branchen ist genau das der Prüfpunkt im Audit.

Als einer der wenigen Anbieter hier gibt es roXtra auch als On-Premises-Installation. Für Häuser, die aus Compliance-Gründen nichts in die Cloud geben dürfen, verkürzt das die Auswahlliste erheblich.

Passt, wenn
Dokumentenlenkung mit Nachweisen steht im Vordergrund, ggf. On-Premises.
Passt nicht, wenn
Ihr wollt vor allem Abläufe schnell sichtbar machen.

BPM-Suiten für größere Vorhaben

Der Wiener Anbieter hat die niedrigste Einstiegshürde im BPMN-Lager: Die Community Edition ist dauerhaft kostenlos und damit der beste Weg, sauberes BPMN auszuprobieren, ohne ein Budget zu beantragen. Die Grenzen sind klar gezogen — ein Nutzer, 256 Modelle, 2.000 Objekte.

Genau diese Ein-Nutzer-Grenze ist der Punkt: Zum Lernen und Modellieren ist die kostenlose Edition ausgezeichnet, für gemeinsame Dokumentation im Team ist sie nicht gedacht. Dafür beginnt die kostenpflichtige Staffel.

Passt, wenn
Du willst allein und kostenlos sauber nach BPMN modellieren.
Passt nicht, wenn
Mehrere Personen sollen gemeinsam dokumentieren und pflegen.
Ausführlicher Vergleich

GBTEC BIC Process Design

Anbieterseite

Die Bochumer Plattform wächst modular: Prozessdesign ist der Einstieg, Governance, Risikomanagement und Process Mining lassen sich anbauen. Für Häuser mit einer mehrjährigen Perspektive spricht das dafür, weil der Anbieterwechsel später entfällt.

Hosting in Deutschland ist möglich, ein Testzugang ohne Vertriebsgespräch ebenfalls. Der Preis richtet sich nach den gewählten Modulen und wird nicht veröffentlicht.

Passt, wenn
Ihr braucht eine Plattform, die über Prozessdoku hinauswächst.
Passt nicht, wenn
Ein Modul reicht und der Rest wäre Ballast.
Ausführlicher Vergleich

SAP Signavio

Anbieterseite

Seit der Übernahme durch SAP Teil der Business-Transformation-Suite, mit entsprechend enger Anbindung an die SAP-Welt. Wer S/4HANA einführt oder migriert, bekommt hier Werkzeuge, die kein Mittelstandsanbieter bietet.

Für ein Haus, das schlicht seine Abläufe dokumentieren will, ist das deutlich überdimensioniert — an Umfang, an Einführungsaufwand und an Kosten.

Passt, wenn
SAP-Haus mit großem Transformationsvorhaben.
Passt nicht, wenn
Ihr wollt in der Fachabteilung Abläufe aufschreiben.
Ausführlicher Vergleich

Werkzeuge, die häufig dafür benutzt werden

In vielen Häusern ohnehin vorhanden, und für Dokumentation aller Art stark. Der Free-Tarif bis zehn Nutzer macht den Einstieg praktisch kostenlos.

Prozesse landen darin allerdings als Fließtext. Es gibt kein festes Schema für Rollen, Systeme und Varianten — und damit auch nichts, was auffällt, wenn eine Seite seit zwei Jahren niemand angefasst hat. Für Audits ist das der wunde Punkt.

Passt, wenn
Ihr braucht ein Wiki für Dokumentation aller Art.
Passt nicht, wenn
Prozesse sollen ein festes Schema haben und nachweisbar aktuell sein.
Ausführlicher Vergleich

Microsoft Visio

Anbieterseite

Das Werkzeug, aus dem die meisten kommen, und für freie oder technische Diagramme nach wie vor das schärfste. Plan 1 liegt bei 4,30 €, Plan 2 mit Desktop-Anwendung bei 13,00 € pro Nutzer und Monat.

Die Grenze ist strukturell, nicht funktional: Jede Datei ist ein Einzelstück. Was darin steht, ist nicht durchsuchbar, nicht verknüpft und altert ab dem Speichern — weshalb Visio-Landschaften in der Praxis fast immer aus einer Mischung veralteter Stände bestehen.

Passt, wenn
Du brauchst freie, technische Diagramme jenseits von Prozessen.
Passt nicht, wenn
Prozesswissen soll auffindbar bleiben und im Team gepflegt werden.
Ausführlicher Vergleich

Process Street

Anbieterseite

Der Ansatz ist die abhakbare Durchführung: Jede Wiederholung eines Ablaufs wird als Checkliste gestartet und quittiert. Für wiederkehrende Routine mit Nachweispflicht — Onboarding, Monatsabschluss, Freigaben — ist das stark.

Zum Abbilden, wie Arbeit tatsächlich läuft, taugt es weniger, und die Verarbeitung findet in den USA statt. Für Häuser mit strengen Anforderungen an den Verarbeitungsort ist das ein Ausschlusskriterium.

Passt, wenn
Wiederkehrende Routine soll zuverlässig abgearbeitet und quittiert werden.
Passt nicht, wenn
Ihr wollt erst sichtbar machen, wie die Arbeit überhaupt läuft.
Ausführlicher Vergleich

Angrenzend — löst ein anderes Problem

Camunda dokumentiert Prozesse nicht — es führt sie aus. Ein BPMN-Modell wird hier zum laufenden Programm, das Systeme aufruft, auf Ereignisse wartet und Aufgaben an Menschen verteilt. Betrieben wird das von Entwicklungsteams, nicht von der QM-Leitung.

Es steht in diesem Vergleich, weil es bei der Recherche regelmäßig neben Prozessmanagement-Software auftaucht. Wer Abläufe dokumentieren will, ist hier falsch — wer sie automatisieren will, dagegen genau richtig.

Passt, wenn
Abläufe sollen technisch automatisiert ausgeführt werden.
Passt nicht, wenn
Ihr wollt dokumentieren, nicht programmieren.

Process Mining rekonstruiert Abläufe aus den Spuren, die sie in ERP- und CRM-Systemen hinterlassen — es zeigt also, wie Prozesse tatsächlich laufen, statt wie jemand sie beschreibt. Das ist ein völlig anderer Ansatz als Dokumentation.

Die Voraussetzung ist allerdings streng: Es braucht Systeme, die den Prozess sauber protokollieren, und Datenmengen, die eine Auswertung lohnen. Abläufe, die per Mail, Telefon oder Zuruf laufen — also der Großteil dessen, was Mittelständler dokumentieren wollen — hinterlassen keine Spur, die sich auswerten ließe.

Passt, wenn
Große Datenmengen in ERP/CRM, ihr wollt Abweichungen messen.
Passt nicht, wenn
Eure Abläufe laufen über Menschen, Mail und Erfahrungswissen.

Was es wirklich kostet

Die Lizenz ist selten der größte Posten. Drei Blöcke gehören ins Budget.

Lizenz

Für Mittelständler bewegen sich Jahreslizenzen im QM- und Prozessumfeld je nach Umfang zwischen wenigen tausend und sechsstelligen Beträgen. Wo pro Nutzer abgerechnet wird, entscheidet die Zahl der Schreibenden — Lesende sind fast überall günstiger oder frei.

Einführung und Beratung

Der Posten, den die meisten unterschätzen. Anbieter im Mittelstandssegment nennen für Einführung, Beratung und Datenübernahme Tagessätze im Bereich von etwa 950 bis 1.500 €, Schulungen ab rund 400 € pro Tag. Bei einer begleiteten Einführung summiert sich das schnell auf ein Vielfaches der ersten Jahreslizenz.

Interner Aufwand

Der größte und einzige, der nie auf einer Rechnung steht. Wer die ersten zwanzig Prozesse selbst aufnimmt, sollte je Prozess mit mehreren Stunden rechnen — verteilt auf Fachbereich, Prozessverantwortliche und Freigabe. Genau hier entscheidet sich, ob ein Werkzeug Zeit spart oder kostet.

Faustregel für die Budgetplanung: Rechnet im ersten Jahr mit dem Zwei- bis Dreifachen der reinen Lizenzkosten. Anbieter mit Self-Service-Einstieg drücken vor allem den mittleren Block — nicht den unteren.

Einführung: Dauer, Beteiligte, Fallstricke

Die meisten Systeme scheitern nicht an der Auswahl, sondern ein halbes Jahr danach.

Wie lange es dauert

Ein schlanker Einstieg mit den wichtigsten zwanzig Prozessen ist in Wochen machbar. Eine vollständige, normkonforme Systemeinführung über mehrere Standorte und Normen dauert Monate. Wer beides verwechselt, plant falsch — meist zu knapp.

Wer gebraucht wird

Realistisch braucht es eine verantwortliche Person mit Zeitbudget, je Fachbereich eine Ansprechperson und jemanden mit Freigabebefugnis. Ohne benannte Verantwortung bleibt die Doku im Entwurf stecken — unabhängig vom Werkzeug.

Der klassische Fehler

Alles auf einmal dokumentieren zu wollen. Wer mit den Prozessen anfängt, die tatsächlich Ärger machen oder im Audit geprüft werden, hat nach vier Wochen etwas Vorzeigbares. Wer die Prozesslandkarte zuerst vollständig bauen will, hat nach vier Wochen eine Landkarte.

Woran es später scheitert

An der Pflege. Fragt jeden Anbieter, was sein System tut, wenn ein halbes Jahr niemand hineingesehen hat: Zeigt es an, was veraltet ist? Erinnert es die Verantwortlichen? Oder sieht ein Dokument von 2024 genauso aus wie eines von gestern?

Sechs Fragen vor der ersten Demo

  1. Wer pflegt die Prozesse?

    In der Praxis sind das meist wenige Personen je Haus, nicht die ganze Belegschaft. Ein System, das auf breites Mitschreiben setzt, funktioniert nur, wenn dieses Mitschreiben auch stattfindet.

  2. Wie kommt Struktur hinein?

    Von Hand modelliert, aus Text abgeleitet oder aus vorhandenen Dokumenten übernommen — davon hängt ab, ob ihr in Tagen oder in Monaten startklar seid.

  3. Ist eine Notation Pflicht?

    BPMN bringt Präzision und kostet Einarbeitung. Für ISO 9001 ist sie nicht erforderlich; für Simulation und Automatisierung schon.

  4. Was passiert nach der Einführung?

    Fragt gezielt nach Aktualitätsanzeige, Wiedervorlage und Verantwortlichkeiten. Das entscheidet über den Wert in Jahr zwei.

  5. Wo liegen die Daten?

    Verarbeitungsort, Auftragsverarbeitungsvertrag, Subprozessoren — und ob mit euren Inhalten KI-Modelle trainiert werden. Für viele Häuser eine Ausschlussfrage.

  6. Kommt ihr ohne Vertriebsgespräch hinein?

    Ein Testzugang ohne Termin sagt viel darüber, wie schnell ihr ohne fremde Hilfe zu einem Ergebnis kommt — und wie das Produkt gedacht ist.

Begriffe, die in Ausschreibungen auftauchen

Kurz erklärt, wenn im Auswahlprozess jemand damit um sich wirft.

Häufige Fragen

Welche Prozessmanagement-Software eignet sich für den Mittelstand?

Für Häuser zwischen 25 und 500 Beschäftigten kommen vor allem die Doku- und QM-Spezialisten in Frage: orgavision, Modell Aachen Q.wiki, roXtra, ConSense, qmBase und ProcessCollector. Sie sind auf Pflege und Auffindbarkeit ausgelegt statt auf tiefe Modellierung. BPM-Suiten wie Signavio oder Aeneis sind für größere Vorhaben gebaut und bringen entsprechend mehr Einarbeitung mit.

Was kostet eine Prozessmanagement-Software?

Die Lizenz ist nur ein Teil. Veröffentlichte Einstiegspreise gibt es bei ProcessCollector (ab 7,95 € pro Nutzer und Monat), qmBase (ab 79 € pro Monat), Microsoft Visio (ab 4,30 € pro Nutzer und Monat) und Confluence (bis zehn Nutzer kostenfrei); ADONIS bietet eine dauerhaft kostenlose Einzelnutzer-Edition. Die meisten deutschen Anbieter kalkulieren individuell. Dazu kommen Einführung und Beratung mit Tagessätzen um 950 bis 1.500 € sowie der interne Aufwand — im ersten Jahr sollte man mit dem Zwei- bis Dreifachen der Lizenzkosten planen.

Schreibt ISO 9001 ein QM-Handbuch vor?

Nein. Seit der Revision 2015 verlangt die Norm kein QM-Handbuch mehr, sondern „dokumentierte Information" nach Abschnitt 7.5. Entscheidend sind Kennzeichnung, Format, Prüfung, Freigabe und Lenkung — nicht die Form. Ein Wiki, eine SharePoint-Seite oder ein Prozessmanagement-Tool erfüllen die Anforderung gleichermaßen.

Brauche ich BPMN-Kenntnisse?

Das hängt vom Werkzeugtyp ab. BPM-Suiten wie Aeneis, BIC, Signavio und ADONIS sind auf BPMN ausgelegt. Doku-Spezialisten und allgemeine Werkzeuge kommen ohne aus. Für ISO 9001, Onboarding und Wissenssicherung ist BPMN nicht erforderlich; für Simulation und technische Automatisierung schon.

Was ist der Unterschied zwischen Prozessdokumentation und Process Mining?

Dokumentation hält fest, wie ein Ablauf gedacht ist und funktionieren soll — aufgeschrieben von den Menschen, die ihn ausführen. Process Mining rekonstruiert aus Systemdaten, wie er tatsächlich gelaufen ist. Mining setzt Systeme voraus, die den Prozess sauber protokollieren; Abläufe über Mail, Telefon und Erfahrungswissen erfasst es nicht.

Wie lange dauert die Einführung?

Ein schlanker Einstieg mit den wichtigsten zwanzig Prozessen ist in Wochen machbar. Eine vollständige Systemeinführung über mehrere Standorte und Normen dauert Monate. Der begrenzende Faktor ist selten die Software, sondern die Zeit der Fachbereiche und eine klar benannte Verantwortung.

Welche Anbieter hosten in Deutschland?

orgavision, Modell Aachen Q.wiki, Intellior Aeneis, ConSense und roXtra hosten in Deutschland, GBTEC BIC bietet es an; roXtra ist zusätzlich als On-Premises-Installation verfügbar. ProcessCollector verarbeitet Prozessdaten in der EU und ist nach ISO/IEC 27001 zertifiziert. Bei Visio, Confluence und SAP Signavio hängt der Verarbeitungsort vom Tarif oder Vertrag ab; Process Street verarbeitet in den USA.

Wie wurde für diesen Vergleich recherchiert?

Alle Preis-, Test- und Hosting-Angaben stammen von den Anbieterseiten selbst und wurden am 20. August 2026 geprüft; die jeweilige Quelle ist bei jedem Anbieter verlinkt. Preise aus Bewertungsportalen sind bewusst nicht eingeflossen, weil sie sich nicht verlässlich nachprüfen lassen. Wo ein Anbieter keinen Preis veröffentlicht, steht „auf Anfrage" — eine Tatsachenangabe, keine Wertung. Innerhalb der Gruppen ist alphabetisch sortiert.

Wie du dich entscheidest

Sechs der fünfzehn Anbieter zielen auf denselben Fall — Prozessdokumentation im Mittelstand. Sie unterscheiden sich weniger im Funktionsumfang als in der Frage, worauf sie ausgelegt sind.

  • Ihr führt mehrere Normen gleichzeitigConSenseQualität, Umwelt, Arbeitssicherheit und Informationssicherheit in einem System statt vier Werkzeuge.
  • Dokumentenlenkung ist der Prüfpunkt, ggf. ohne CloudroXtraKommt von der revisionssicheren Ablage her und ist als einziger hier auch On-Premises zu haben.
  • Die Fachbereiche sollen selbst schreibenModell Aachen Q.wikiDas Wiki-Prinzip mit Freigabe dahinter — und 60 Tage Zeit, das in einer echten Abteilung auszuprobieren.
  • QM-System und Prozesse aus einer Hand, normgetriebenorgavisionDer etablierte Mittelweg zwischen Doku-Werkzeug und BPM-Suite.
  • Kleiner Betrieb mit klarem BudgetrahmenqmBaseVeröffentlichter Einstiegspreis ab 79 € im Monat, modular erweiterbar.
  • Es muss dokumentiert werden, aber niemand soll ein Projekt dafür aufsetzenProcessCollectorAus Text oder bestehenden Dokumenten entsteht das Modell, ohne BPMN und ohne Einführungsprojekt — testbar ohne Karte und ohne Termin.

Wer tiefer modellieren, simulieren oder Governance abbilden will, ist bei den BPM-Suiten besser aufgehoben; wer Abläufe technisch ausführen oder aus Systemdaten messen will, braucht ohnehin einen anderen Werkzeugtyp.

Methodik und Befangenheit

Diese Seite stammt von ProcessCollector — wir sind selbst einer der verglichenen Anbieter. Das solltest du beim Lesen wissen, deshalb steht es hier und nicht im Kleingedruckten.

Was wir daraus machen: Die Reihenfolge ist alphabetisch, wir stehen in unserer Gruppe an letzter Stelle und sind in der Tabelle nicht hervorgehoben. Bei jedem Anbieter steht, wann er die bessere Wahl ist als wir — bei ADONIS die dauerhaft kostenlose Edition, bei Q.wiki die längere Testzeit, bei roXtra der On-Premises-Betrieb, bei Visio das freie Zeichnen.

Was wir nicht können: Wir haben nicht jedes System selbst über Monate betrieben. Die Angaben zu Preis, Test und Hosting sind belegt und verlinkt; die Einschätzungen zu Zuschnitt und Eignung sind unsere fachliche Sicht auf einen Markt, in dem wir selbst antreten. Wenn dir etwas falsch oder unfair erscheint, schreib uns — wir korrigieren es.

Zu den Zahlen: Alle Preise verstehen sich netto, also zuzüglich Umsatzsteuer, und richten sich an Unternehmen. Preise und Funktionsumfang der anderen Anbieter geben deren öffentlich zugänglichen Stand zum genannten Datum wieder — ohne Gewähr auf Vollständigkeit oder Aktualität. Für eine Kaufentscheidung hol dir bitte ein aktuelles Angebot beim jeweiligen Anbieter.

Und wenn ProcessCollector passt?

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Gleich vergibst du dein Passwort und legst eure Organisation an — mehr braucht es nicht. Keine Kreditkarte.